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Letzte Aktualisierung: 29.09.2010
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basics: Integratives Lernen

"Sebastian, Antje, Stefanie, Henrik und die anderen"

Langzeitdokumentation über sieben Jahre
Das Filmprojekt dokumentiert seit sieben Jahren (seit der 3. Klasse 1996) das schulische Leben behinderter und nichtbehinderter Kinder in einer Integrations- klasse. Zur Zeit umfasst das Drehmaterial 120 Stunden. Die Klasse ist diesen Sommer (2002) in die 10. Klasse gekommen.

Einzigartiges Integrationsprojekt in Deutschland Es gibt keine vergleichbar lange filmische Dokumentation zu diesem Thema, zumal es in Deutschland vermutlich nur eine handvoll Klassen gibt, in der Integration auch nach der Grundschule stattfindet.

Ein Weg aus der Schulkrise, auch nach PISA
Das erfolgreiche Zusammenleben und -arbeiten von diesen so unterschiedlichen Kindern weist einen Weg aus der Schulkrise (PISA), in der immer mehr Schüler den Unterricht verweigern (in Bremen 15%), in der immer mehr Lehrer sagen, dass "sie ihre Schüler nicht mehr erreichen" und in dessen Folge die destruktiven Kräfte der Schüler sich selbst und anderen gegenüber immer größer werden. Vielleicht ist es nicht grundlos, dass unsere Bildungsmisere uns gerade in dem Moment trifft, wo unsere Gesellschaft durch zunehmende ethnische, ökologische, wirtschaftliche und soziale Probleme gekennzeichnet ist, die nur durch kreative, konstruktive und lebensbejahende Kräfte der kommenden Generation gelöst werden können. Das eine hängt zusammen mit dem anderen.

Beziehungsfähigkeit durch Zuhören
Der Grund für den Erfolg liegt in der Beziehungsfähigkeit, die die Schüler lernen, wenn sie - an keine Sitzordnung und kein Schulbuch gebundenen - , in immer wieder neuen Gruppenkonstellationen an den selbstgewählten und selbstgestellten Aufgaben und Projekten arbeiten, in denen die Lehrerinnen lediglich eine helfende Funktion haben. Die ununterbrochene Notwendigkeit, ihre Beziehungen zu den anderen Kindern im Arbeitsprozess wahrzunehmen, zu prüfen und zu gestalten, bringt sie in einen immerwährenden Dialog mit sich selbst und mit den anderen, zum Hören nach Innen und zum Hören nach Außen, und damit in eine Lebendigkeit, die den destruktiven Kräften immer weniger Anlass gibt.

Über 50 % Gymnasialempfehlung
Sehr viel Zeit des Schultages wird den sozialen und kommunikativen Aspekten des Zusammenseins gewidmet. Trotzdem und deshalb haben nach der sechsten Klasse über die Hälfte der Schüler die Gymnasialempfehlung bekommen. Das ist weit mehr als in "normalen" Klassen. Stand 10. Klasse, Januar 2003: Zwei Schüler/innen mit Hauptschulempfehlung schaffen den Realschulabschluss Fünf Realschüler/innen mit Hauptschulempfehlung wurden einvernehmlich ohne Klassenwechsel abgestuft Drei lernschwache Schüler schaffen einen guten Hauptschulabschluss Alle sechs behinderten Schüler/innen haben eine gute berufliche Perspektive

Politikum: sogar billiger als übliche Sonderwege
Wenn die Schule, diese von der Aufklärung geschaffene Einrichtung, sich nicht selbst ad absurdum führen will, dann wird sie sich Wege überlegen müssen, wie sie jungen Menschen wieder Lust und Neugier auf die Schönheiten und Verrücktheiten und Schwierigkeiten der Welt machen kann. Die Tatsache, dass dies in dieser Klasse unter ganz normalen Schulverhältnissen möglich ist, dass es sich hier um eine Schule in einem anerkannt "schwierigen sozialen Umfeld" handelt, dass dieses sogar billiger ist als die üblichen Sonderwege, die für behinderte oder schwierige Kinder sonst gegangen werden, verleihen diesem Projekt und dieser Dokumentation einen hohen politischen Aufmerksamkeitswert.

Jörg Streese
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